Welche China-Kompetenz ist in Deutschland vorhanden und erwünscht? – Vortrag mit Podiumsdiskussion an der CDH

 

Matthias Stepan, Vizedirektor des Forschungsbereichs Politik, Gesellschaft und Medien am Mercator Institute for China Studies (MERICS), besuchte am 14. Juni 2018 das Zentrum für Chinesisch-Deutschen Gesellschaftlich-Kulturellen Austausch an der Tongji-Universität (CDGKA). Er referierte in der Deutschen Bibliothek der Tongji-Universität zum Thema „China kennen, China können“.

 

Thomas Willems, Vizedirektor des CDHK, hielt eine Begrüßungsrede, in der er darauf hinwies, dass es nicht nur eine „Technik“, sondern auch eine „Kunst“ sei, China zu verstehen und China-Kompetenzen anzuwenden. Gegenwärtig sei das Wissen über China und die neuesten Entwicklungstrends im Westen noch immer mangelhaft, oft komme es zu Vorurteilen. Unwissenheit und ein Mangel an Vertrauen hätten in diesem Prozess Angst vor China erzeugt. Die Weltordnung verändere sich unaufhörlich, wobei Chinas Einfluss auf der internationalen Bühne von Tag zu Tag zunehme. Deutschland solle künftig China gegenüber eine neutralere Haltung einnehmen, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu fördern. Herr Willems stellte zudem das CDHK und dessen Bezug zu Deutschland vor und bedankte sich herzlich bei den Schwesterinstitutionen für ihre Unterstützung.

 

 

Matthias Stepan gab mit seinem Vortrag eine umfassende Einführung in den Forschungshintergrund und die Kerninhalte des Forschungsberichtes „China kennen, China können“. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und mit Unterstützung des deutschen Auswärtigen Amts untersuchte MERICS von Oktober 2017 bis März 2018 den aktuellen Stand der deutschen China-Kompetenz durch zahlreiche Interviews sowie Bestandsaufnahmen eingehend. Die Zahlen zeigten, dass Deutschland beim Aufbau von China-Kompetenz hinter Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern zurückgeblieben sei. Der Bericht konzentriere sich auf Folgendes: die Einschätzung des Einflusses Chinas auf die deutsche Politik und Wirtschaft; die gegenwärtige Entwicklung des Chinesisch-Unterrichts an deutschen Grund-, Mittel- und Hochschulen; die Bildungskooperation und den Personalaustausch mit China; die Entwicklung der Sinologie in Deutschland. Stepan präsentierte entsprechende Maßnahmen gegen die bestehenden Defizite. Für die künftige Zusammenarbeit mit China sei der Aufbau von „China-Kompetenz“ in allen Sektoren in Deutschland der Trend. Im Mai dieses Jahres fand erstmals in Deutschland ein Symposium zum Thema „China-Kompetenz in Deutschland“ statt, an dem mehr als 200 Experten aus den Bereichen Bildung, Forschung und Politik teilnahmen. Gleichzeitig zeigte Stepan auf, dass die meisten Befragten in Deutschland die Ansicht vertreten, dass die Deutschland-Kompetenz von China weit höher sei als die China-Kompetenz von Deutschland, was die jeweiligen Sektoren in Deutschland zur Reflexion veranlasst habe.

 

In der anschließenden Diskussion, die von Prof. Dr. HU Chunchun, Vizedirektor des CDGKA, moderiert wurde, wurden Prof. Dr. ZHENG Chunrong, Leiter des Deutschlandforschungszentrums der Tongji-Universität (DFZ), Prof. Dr. Wolfgang Röhr, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFZ, und Prof. Dr. Thomas Zimmer, deutscher Vizedirektor am Deutschen Kulturzentrum an der Technische Universität Shanghai, auf das Podium gebeten. Die Experten diskutierten den aktuellen Stand der China-Kompetenz in Deutschland und die Gründe für deren Defizite. Im Anschluss blieb Zeit für Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum. Durch Vortrag und Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass weitläufig der Mangel an China-Kompetenz wahrgenommen wird und der Wunsch besteht, durch verschiedene Maßnahmen die Situation zu verbessern.

 

 

 

 

Die Veranstaltung wurde vom Zentrum für Chinesisch-Deutschen Gesellschaftlich-Kulturellen Austausch (CDGKA), das Deutschlandforschungszentrum (DFZ) sowie das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg der Tongji-Universität gemeinsam organisiert. Die Ko-Organisation übernahm die Chinesisch-Deutsche Hochschule (CDH) und die Shanghai Overseas Returned Scholars Association (SORSA) sowie die deutsche Bibliothek der Tongji-Universität gemeinsam. Mehr als 30 Experten, Lehrer und Studierende nahmen teil.

 

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