Wie lässt sich erforschen, was vor Milliarden Jahren auf der Erde geschah? Und was können Gesteine über die Anfänge des Lebens erzählen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 22. Oktober 2026 50 Schülerinnen und Schüler der Tongji University High School of Science and Technology. Im Rahmen der Deutschen Wochen war Simon Hohl, Associate Professor für Meeresgeologie an der Tongji-Universität, mit seinem englischsprachigen Vortrag „My Name is Luca“ an der Schule zu Gast.
Der Titel verweist auf LUCA, den „Last Universal Common Ancestor“, also den letzten gemeinsamen Vorfahren aller heute lebenden Organismen. Hohl erläuterte dabei eine wichtige Unterscheidung: LUCA bezeichnet nicht das erste Leben auf der Erde. Die Suche nach diesem gemeinsamen Ursprung führt vielmehr zu der Frage, unter welchen Bedingungen sich frühe Lebensformen entwickelten und welche Spuren sie hinterlassen haben.
Der Vortrag führte von der Entstehung der Erde und ihrer frühen Ozeane zu Mikroorganismen, Photosynthese und den Veränderungen der Atmosphäre. Im Mittelpunkt standen Stromatolithen: geschichtete Strukturen, die durch die Tätigkeit von Mikroorganismen entstehen. Als geochemische Archive ermöglichen sie Einblicke in das Zusammenspiel von Leben, Wasser und Atmosphäre über sehr lange Zeiträume.
An Beispielen aus Australien, China und weiteren Forschungsregionen zeigte Hohl, wie sich solche Spuren untersuchen lassen. Bilder von der Probenahme im Gelände und Einblicke in die Laborarbeit an der Tongji machten den Weg vom Gestein zur wissenschaftlichen Erkenntnis anschaulich. So verband der Vortrag große Fragen der Erdgeschichte mit konkreten Methoden heutiger Forschung und eröffnete zugleich einen Ausblick auf die Suche nach Leben jenseits der Erde.
Mit dem Besuch an der Tongji University High School of Science and Technology erreichten die Deutschen Wochen auch ein schulisches Publikum. Die Veranstaltung gab den Jugendlichen Gelegenheit, einen Forschungsbereich der Tongji kennenzulernen und zu erfahren, wie Wissenschaftler aus kleinsten chemischen Spuren die Geschichte unseres Planeten erschließen.

Simon Hohl spricht vor 50 Schülerinnen und Schülern der Tongji University High School of Science and Technology.
Am Stammbaum des Lebens erläutert Hohl den letzten gemeinsamen Vorfahren heutiger Organismen – LUCA.

Schülerinnen und Schüler verfolgen den englischsprachigen Vortrag über die frühe Geschichte des Lebens.
Frühe Mikrofossilien geben Hinweise auf Lebensformen vor Milliarden von Jahren.

Moderne Mikrobenmatten helfen, die Spuren früher Lebensgemeinschaften zu verstehen.

Meeresgeologe Simon Hohl vermittelt Einblicke in die Erforschung der Erd- und Lebensgeschichte.