Im Rahmen des CDHK-Chinakompetenz-Kurses „Einführung in die chinesische Teekultur“ fand vom 24. bis 26. April 2026 eine Exkursion mit 14 internationalen Studierenden aus Deutschland, Österreich und Polen in die Wuyi Berge der Provinz Fujian statt. Die Exkursion wurde von Prof. Dr. Volker Heubel, Sinologe, Philosoph, Tee-Experte und Professor am zur kulturwissenschaftlichen Fakultät gehörigen Philosophischen Institut geleitet.
Der Schwerpunkt der Exkursion lag zwar auf dem Thema der Teekultur der Wuyi- Berge, doch sollte durch die Programmgestaltung die enge Verbindung der Teekultur zu den drei geistigen Hauptströmungen Chinas, dem Daoismus, dem Konfuzianismus und dem Buddhismus aufgezeigt werden. Den Anfang machte ein Spaziergang zum ehemaligen daoistischen Kloster Zhizhi An. Auf dem idyllischen Weg entlang des Jiuqu Flusses erinnerte zunächst eine Skulptur des chinesischen Reisenden, Geographen und Abenteurers Xu Xiake (1587-1641) daran, daß eine solche Exkursion in einer langen Tradition von Reisen in die Wuyi Berge steht. Im Anschluss besuchte die Gruppe die von dem neokonfuzianischen Gelehrten Zhu Xi (1130–1200) im Jahre 1183 gegründete Akademie Wuyi Jingshe武夷精舍. Sie zählt zu den bedeutenden privaten Akademien der Song-Zeit, die die Studenten auf die Beamtenprüfungen vorbereiteten, als Stätten des Austauschs von Gelehrten dienten und die als Vorläufer heutiger Universitäten betrachtet werden können. Zhu Xi gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Neokonfuzianismus.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe den Ursprungsort des berühmten Da Hong Pao-Tees, den Tianxin-Yongle-Tempel. Sie erhielten die Gelegenheit, die traditionelle Teeherstellung im Tempel kennenzulernen und selbst praktisch zu erproben. Dabei schüttelten sie frisch gepflückte Teeblätter in flachen Bambuskörben. Nach dem Welken lassen wird dieser zweite Verarbeitungsschritt mit „Yao Qing摇青“ (Teeblätter schütteln) bezeichnet.

Am Sonntagvormittag besichtigte die Gruppe eine für ihre Steintees (yancha岩茶) renommierte Teefirma :Tianxin Yingjia. Der Besitzer Ying Jianqiang erklärte in der Tee-Fabrik ausführlich die einzelnen Bearbeitungsverfahren: vom Welken, Schütteln, Rollen bis zum Erhitzen und Trocknen, was insgesamt ca. 6-12 Monate dauert. Maschinen können heutezutage zwar zum großen Teil die Handarbeit ersetzen, aber die Erfahrung des Teemeisters spielt für die jeweilige Beurteilung des Zustandes der Blätter und erforderlicher Arbeitsschritte immer noch eine entscheidene Rolle, hierin durchaus vergleichbar mit europäischer Weinherstellung.

Am Sonntagnachmittag fuhr die Gruppe in das historische Dorf Xiamei Gucun下梅古村, das vom 17. bis 19. Jahrhundert als Ausgangspunkt der Teehandelsroute (wanli chadao万里茶道) nach Russland diente. Dabei wurde auch die Bedeutung der Familie Zou hervorgehoben, die einst als einflussreichste Teehandelsfamilie Nord-Fujians galt und maßgeblich zum regionalen Teehändlernetzwerk beitrug. Die Steinfassade des Ahnentempels der Familie, die die Teilnehmer während des Rundgangs genauer betrachteten, spiegelt im Dekor zentrale konfuzianische Wertvorstellungen wider: Sie verweisen einerseits auf den Wunsch nach sozialem Aufstieg durch eine Beamtenlaufbahn in jungen Jahren, mahnen andererseits jedoch zur Bewahrung der eigenen Herkunft und der familiären Wurzeln im Alter.
Die Exkursion ermöglichte vertiefte Einblicke in die chinesische Teekultur, insbesondere in die spezifischen Traditionen der Wuyi-Berge, und leistete zugleich einen Beitrag zur Entwicklung eines differenzierten Verständnisses der kulturellen Vielfalt Chinas.
