Im Juli 2026 reisten 16 Studierende der Chinesisch-Deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften (CDHAW) unter der Leitung von GU Jianfeng, Laboringenieur im Bereich Fahrzeugtechnik an der CDHAW, nach Deutschland. Ihre Route führte von Shanghai über Frankfurt, Heilbronn, München und Nürnberg nach Berlin. Unterstützt vom Deutschen Hochschulkonsortium für Internationale Kooperationen (DHIK) und weiteren Partnern besuchte die Gruppe Hochschullabore, Produktionsstätten internationaler Unternehmen und historisch bedeutsame Orte. Die Studienreise verband Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Ingenieurwissenschaften mit interkulturellem Lernen.
Das zwölftägige Programm war als intensive Studienreise angelegt. In Gesprächen, Experimenten und Besichtigungen setzten sich die Studierenden mit technischen, industriellen und gesellschaftlichen Fragen auseinander und brachten ihre eigenen Perspektiven in den Austausch mit deutschen Hochschulen und Unternehmen ein.
01 Hochschulaustausch: Forschung und Lehre im direkten Dialog

Die Hochschulen bildeten den fachlichen Schwerpunkt der Reise. An der Hochschule Heilbronn (HHN) kamen die Studierenden bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Prof. Dr.-Ing. Ansgar Meroth und weiteren Beteiligten zunächst in informeller Atmosphäre ins Gespräch. Bei einer Laborübung zum autonomen Fahren mit Prof. Dr.-Ing. Frank Tränkle steuerten sie intelligente Modellfahrzeuge mit einem Controller und erlebten, wie Bilderkennung, Datenverarbeitung und mechanische Steuerung zusammenwirken. Prof. Dr.-Ing. Karsten Wittek, Leiter des Labors für Kolbenmaschinen, erläuterte Wasserstoff- und Motorentechnik – von Aufbau und Funktionsweise bis zu den jeweiligen Vor- und Nachteilen. So wurde der anwendungsbezogene Ansatz der Hochschule unmittelbar nachvollziehbar.

An der Hochschule München besichtigte die Gruppe mit Unterstützung von Prof. Dr.-Ing. YUAN Bo und Prof. Dr.-Ing. Marcin Hinz, Professor für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen, Labore und Campus. Dabei erhielten die Studierenden Einblicke in das praxisnahe Profil einer Hochschule für angewandte Wissenschaften und in die enge Verbindung von Lehre und Industrie. An der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm koordinierte LI Min den Besuch. Prof. Dr.-Ing. Ulrich Grau, Koordinator des CDHAW-Doppelabschlussprogramms Fahrzeugtechnik, und weitere Lehrende stellten Versuche zur Fahrwerksabstimmung, Windkanaltests und zur Ermittlung der Reichweite von Elektrofahrzeugen vor. Zwischen Simulationsprüfständen und realen Fahrbedingungen zeigte sich, wie theoretische Modelle in der anwendungsorientierten Ausbildung überprüft werden.

Auch das Programm an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) war fachlich breit angelegt. Prof. Dr.-Ing. Michael Lindemann, Professor für Mechatronik, Kfz-Elektronik, Fahrzeugmesstechnik und Fahrsimulation, hielt einen Vortrag zu neuen Antriebstechnologien, Leichtbau und intelligenten Fahrerassistenzsystemen und führte die Gruppe anschließend durch die Fahrzeuglabore. Dort reichte die Ausstattung von Prüfständen für Gesamtfahrzeuge und Komponenten bis zu Antriebsprüfständen. Bei der Diskussion über Datenerfassung und die Integration elektrischer Antriebe tauschten sich die deutschen und chinesischen Teilnehmenden intensiv aus.
An der Berliner Hochschule für Technik (BHT) stand der Austausch unter Studierenden im Mittelpunkt. Das vom DHIK koordinierte interkulturelle Lernprogramm brachte deutsche und chinesische Studierende zusammen. Sie diskutierten Lernmethoden, ingenieurwissenschaftliche Denkweisen und Fragen der persönlichen Entwicklung. Unterschiedliche Sprachen erwiesen sich dabei nicht als Hindernis: Die gemeinsame Neugier auf Technik schuf zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Ein besonderer Programmpunkt war eine deutsch-chinesische Begegnung für Studierende und Lehrende in der Botschaft der Volksrepublik China in Deutschland. Dr. LIU Lixin, Gesandter-Botschaftsrat für Bildungswesen, begrüßte die Reisegruppe und gab den jungen Teilnehmenden Hinweise für ihre weitere Entwicklung. Prof. Dr.-Ing. habil. Christian-Andreas Schumann, Gesamtkoordinator China des DHIK, und weitere DHIK-Vertretungen sprachen über die Bedeutung des Austauschs zwischen jungen Menschen beider Länder. PENG Yuhe berichtete im Namen der Gruppe über die bisherigen interkulturellen Erfahrungen. Das offene Gespräch machte deutlich, welche Rolle persönliche Begegnungen für die deutsch-chinesische Hochschulkooperation spielen.

02 Unternehmensbesuche: Präzision und industrielle Anwendung
Unternehmen bildeten ein zweites Lernfeld der Reise. Im Audi-Werk Neckarsulm folgten die Studierenden der Entwicklung des traditionsreichen Produktionsstandorts bis in die heutige Fertigung. Sie besichtigten Stationen vom Presswerk über die Produktion des Audi A8 L Horch bis zum Audi Forum. Die Abläufe vermittelten einen unmittelbaren Eindruck davon, wie der Markenanspruch „Vorsprung durch Technik“ in der Produktion umgesetzt wird.

Im Forschungs- und Entwicklungszentrum der Schaeffler-Gruppe am Unternehmenssitz in Herzogenaurach stellten Prof. Dr. Tim Hosenfeldt, Leiter Zentrale Technologien, und SUN Xiaonan aus dem Bereich globales Thermomanagement die Bedeutung von „Motion“ und die daraus abgeleiteten acht Produktfamilien vor. Im Mittelpunkt stehen intelligentere, sicherere und sauberere Mobilitäts- und Bewegungslösungen.

Bei der anschließenden Besichtigung sahen die Studierenden hochpräzise Messtechnik und groß dimensionierte Produktionsanlagen im direkten Zusammenspiel. Sie informierten sich über die Herstellung dünnwandiger Lagerringe, hochautomatisierte Wickelverfahren sowie moderne Wärmebehandlungen mit präziser Temperaturführung. Im Gespräch mit Fachleuten ging es außerdem um Lärmschutz und intelligente Dienstleistungen. Die einzelnen Stationen zeigten, welchen Stellenwert Genauigkeit und Prozessbeherrschung in der industriellen Fertigung haben.
Beim Engineering-Dienstleister IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr GmbH) erläuterten Wohlrab und weitere Fachleute die Entwicklung und Anwendung von Batterietechnik für Elektrofahrzeuge. Präzise Prüfgeräte und streng definierte Versuchsabläufe verdeutlichten, wie das Unternehmen technische Zuverlässigkeit absichert und Detailfragen systematisch untersucht.

03 Kulturelle Erkundungen: Geschichte und Gegenwart
Neben den ingenieurwissenschaftlichen Programmpunkten setzte sich die Gruppe mit Geschichte und Kultur auseinander. In München verbanden die BMW Welt und das BMW Museum ein Jahrhundert technischer Entwicklung mit Fragen des Designs. Das historische Stadtbild rund um den Marienplatz vermittelte einen Eindruck von der Entwicklung der bayerischen Landeshauptstadt. Ein Ausflug zur Zugspitze ergänzte das Programm um eine intensive Natur- und Kulturerfahrung im bayerischen Alpenraum.
In der Nürnberger Altstadt erschloss sich Geschichte auf engem Raum. Die Gruppe besuchte die Kaiserburg, durchquerte die Altstadtgassen und den Hauptmarkt. Einen besonderen historischen Akzent setzte der Saal 600 im Nürnberger Justizpalast, der mit den internationalen Prozessen gegen führende Vertreter des nationalsozialistischen Regimes nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden ist. Der Besuch gab Anlass, über Erinnerung, Frieden und Verantwortung nachzudenken.
In Berlin war die Botschaft der Volksrepublik China in Deutschland nicht nur Ort des fachlichen Austauschs, sondern auch eine diplomatische und kulturelle Station. Mitarbeitende vermittelten der Gruppe Informationen zu Tourismus, Wirtschaft und Technologie. Zugleich wurde für die Studierenden greifbar, wie internationale Beziehungen, institutionelle Zusammenarbeit und persönliche Bildungswege miteinander verbunden sind.
Während der zwölf Tage ergänzten sich Lehrveranstaltungen, Labore, Produktionsanlagen und Stadträume. Die Studierenden sahen, wie Theorie in technischen Anwendungen Gestalt annimmt, wie industrielle Präzision organisiert wird und wie Geschichte bis in die Gegenwart wirkt. Die Deutschlandreise verband damit wissenschaftliche Lehre, industrielle Praxis und interkulturelle Erfahrung.
Für die CDHAW ist dieses Zusammenspiel der Kern ihrer Sommerprogramme: Ingenieurausbildung soll über den Seminarraum hinausreichen und Studierenden ermöglichen, fachliche Zusammenhänge in realen Umgebungen zu verstehen. Zugleich eröffnet die Begegnung mit anderen Perspektiven neue Sichtweisen und stärkt die Bereitschaft, Verantwortung in einer international vernetzten Arbeits- und Lebenswelt zu übernehmen. So trägt jede Reise dazu bei, die Beziehungen zwischen jungen Menschen, Hochschulen und Unternehmen in China und Deutschland weiterzuentwickeln.